I´m gardening in the rain

Ich bin die letzten Wochen wettertechnisch vom Pech verfolgt. Unter der Woche komm ich selten vor 18 Uhr heim, da ist nichts mehr mit Gartenarbeit. Samstags helf ich meinen Eltern in deren Garten und wenn ich danach noch Zeit habe und gerade in meinen Garten hüpfen wollt, fängt es natürlich an zu regnen. Toll.

Dementsprechend wurde aus der Wildnis, die der Vorbesitzer hinterlassen hat ein Dschungel.

Samstag regnete es wieder. Wozu kauft man sich aber teure Gartenklamotten, wenn man dann Angst hat nass zu werden?! Kurz die Nase rausgestreckt und Temperatur für warm genug befunden. Dann ab in die Arbeitshose und die Gummistiefel und das Gartenwerkzeug aus der Schweinestall-Abstellkammer gezerrt. (Ich liebe diese Kammer)

Vermieter und Schreiner werkelten gerade im Hof und schüttelten grinsend die Köpfe als ich bepackt über die Straße marschierte. Bevor ich das Tor öffnen konnte, musste ich es allerdings erst einmal „freimähen“. Handmäher raus und die Sache war erledigt. Die mannshohe Distel hat so nah am Feldweg auch nichts zu suchen und musste mit einem beherzten Spatenstich mitsamt Wurzel weichen.

Bevor ich aber in den Garten konnte, erregten die über den Zaun hängenden Äste meine Missgunst. `Die schneid ich noch schnell´ … dacht ich, leichtsinnig und unerfahren wie ich bin. Die Äste entpuppten sich als 4 Meter hohe Hagebutten. Ich mag ja Hagebutten-Tee… das war bevor ich wusste, was für fiese Dornen diese Büsche haben. Eine halbe Stunde später sah mein Arm aus, als hätte ich mich gerade mit der Nachbarskatze um die letzte Maus duelliert aber der Kollege Hagebutte war 2 Meter kürzer. (Und ja, ich hab vorher geguggt ob da ein Nest drin ist).

Jetzt konnte ich ja endlich hinten im Garten mal das ganze Holz zersägen, das da unterm Nussbaum lag … dachte ich. Wo einst ein Weg den Garten in zwei Hälften teilte, erwartete mich hüfthohes Gras. Prima. Je weiter nach hinten ich blickte, umso mehr Brennnesseln standen zwischen den Grashalmen. Es half alles nichts. Ich packte mir meine Hacke und begann Moos und Gräser Zentimeter für Zentimeter von den Betonplatten zu kratzen und zur Seite auf einen Haufen zu werfen. Es dauerte Stunden (kein Witz) bis ich am Ende angekommen war und endlich das kleine Törchen öffnen konnte, in dem ich mich mit meinem ganzen Kampfgewicht dagegen warf.

Auch hier ein Bild des Jammers und der sehnsüchtige Wunsch nach eine Machete. Minibäumchen für Minibäumchen entwurzelte ich und warf alles neben die Häufen „dicke Äste“ und „dünne Äste“ auf den neuen Haufen „Grünschnitt“.

Als die eine Seite endlich in Ordnung war, zog ich von der anderen Seite Ast für Ast für Ast aus dem vermoderten Haufen, zersägte oder zerschlug ihn und sortierte ihn auf einen der Häufen zum späteren Abtransport. Mittlerweile hatte es zum fünften Mal begonnen zu regnen. Ich war nass bis auf die Haut (außer an den Füßen – Gummistiefel sei Dank), verdreckt bis zu den Haarspitzen und verkratzt wo es nur ging.

Nach 5 Stunden (!!!) konnte ich endlich den Boden einigermaßen einebnen und die kleine Vertiefung für den Kompost ausheben. Eine doppelte Lage Drahtgeflecht und ein feinmaschiges Netz sollen nun verhindern, dass verfressene Biester meinen Kompost ausgraben und in der Nachbarschaft verteilen. Komposter drauf und das ganze ordentlich von allen Seiten mit Erde befestigt. Voila.

Ich blickte mich um und war zum ersten Mal ein kleines bisschen Stolz auf mich. Man konnte sehen, dass sich etwas getan hatte.

Das Ausheben der Beete verschob ich allerdings, ebenso das Legen der Waschbetonplatten als Weg zum Komposthaufen um sich nicht immer Matsch-Füße zu holen. Ich hatte Hunger und Durst.

Völlig eingesaut trat ich durchs Hoftor und wurde von Vermieter und Schreiner grinsend betrachtet und erntete ein anerkennendes Nicken und verbales Schulterklopfen „Mit dir kann man halt was anfangen.“ 5 Minuten später hielt ich eine Flasche Radler in der Hand und plauschte noch ein wenig bis mich dann endgültig die Dusche rief.

(Das Zitronenknipps war übrigens den ganzen Regen mit draußen und es hat ihm nicht das kleinste bisschen was gemacht).

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Über Messerschaf

Ich bin eine Österreicherin, die in Deutschland lebt und vom eigenen Bauernhaus mit großem Garten träumt. Ich liebe das Leben, zu schreiben, fotografieren und einfach in der Natur zu sein. Neben dem Krafttraining bin ich eine leidenschaftliche Bäckerin, dafür beim Kochen leider etwas unbegabt! Das wiederrum kann mein Goldschatz, den ich vor 5 Jahren kennengelernt habe und seit 2 Jahren mein Ein nennen darf, perfekt drauf. Bin ein klein bisschen verrückt und habe mir einen Teil meiner kindlichen Unbeschwertheit bewahrt. Ich lache nicht nur allgemein sehr gerne, sondern auch mal über mich selbst, denn ein bisschen tollpatschig bin ich schon!
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