Herausforderung á la cuisine

Als ich gestern zu Hause den Wagen vorfuhr, stand bereits mein Schatz bereit um ins Auto zu springen, damit wir gleich den Einkauf erledigen konnten. Auf dem Weg dahin fragte ich ihn, was er am Wochenende essen wolle, da ich Samstag und Sonntag gerne das Kochen übernehmen würde. (Normal kocht der Gatte). Es war also Wünsch-Dir-Was. Er wünschte sich Sauerbraten… Hab ich selbst noch nie gemacht. Auf den Vorschlag den fertig eingelegten zu kaufen, zog ich ein Schnütchen – ich wollte es wenigstens mal selbst probieren.

Da ich also dank Unerfahrenheit kein Sauerbraten-Rezept im Kopf habe, habe ich, sobald das Auto auf dem Supermarktparkplatz stand, meinen persönlichen Sternekoch angerufen – meinen Vater.

„Papa, wir sind schon einkaufen, ich brauche dringend die Zutaten für einen Sauerbraten.“ Grinsend über unsere Spontanität hörte ich wie Papa unsre geliebte „Schuhbecks Kochschule“ aus dem Regal zog und blätterte (Man muss dazu sagen, dass die Grundausstattung an Kochbüchern bei meinen Eltern und mir identisch ist… und ich habe das Buch nicht am Geräusch erkannt sondern habe mir selbstverständlich sagen lassen, wo ich daheim das Rezept nachschlagen kann).

Einige Minuten später stand ich also an der Fleischtheke und bestellte bei der Dame „1,5 Kilo Schaufelbug, bitte.“ Ein ratloses bis ängstliches Gesicht bei der Verkäuferin. Sie holte den Metzger und ich wiederholte meinen Wunsch. Er lächelte (vielleicht weil mal jemand kommt, der nicht einfach nur Schweineschnitzel will?) muss mir aber mitteilen, dass sie das nicht dahaben. Ich stehe zu meiner Ratlosigkeit und bitte ihn um einen Tipp, was er denn Vorschlagen würde, da ich Sauerbraten machen möchte. Als er Tafelspitz vorschlägt beschließe ich ihm zu vertrauen und unser Einkaufsbuget schrumpft spürbar (Ich hab noch nie so teures Fleisch gehabt). Während er mir ein Bratenstück zurechtpackt spart er nicht damit mir noch einige gute Tipps mit auf den Weg zu geben. Die Dame neben mir beugt sich währenddessen zu mir herüber „Was haben sie da gerade bestellt, das habe ich ja noch nie gehört.“ – Der Einkauf an der Fleischtheke dauert also ein paar Minuten länger, dafür habe ich noch ein bisschen nett geplaudert.

Schatz erbleicht dezent als er den Preis unsres Bratens hört und ich bekomme langsam Angst vor meiner eigene Courage. Na hoffentlich schmeckt das dann wenigstens.

Daheim erreicht mich eine SMS meiner Eltern, die mir Mut machen und mit dem Satz schließen „Ein gutes Fleisch gibt auch einen guten Braten.“

Voller Tatendrang schnappe ich mir Schuhbecks Kochschule und einen der beliebigen Rotweine aus dem Regal. (Schatz bekommt Unmengen davon geschenkt, weswegen die einfach zum Kochen herhalten müssen). Mit wenigen Handgriffen ist das Fleisch in sein neues Domizil gebettet und mit einem Sud aus 0,7 l Rotwein und 80 ml Rotweinessig zugedeckt. Jetzt heißt es bis Samstag warten und immer wieder wenden.

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Den letzten Schluck Rotwein gönne ich mir direkt aus der Flasche und stelle fest, dass das ein richtig guter Wein für einen richtig schönen Abend gewesen wäre… Betonung liegt auf „wäre“. Denn jetzt schwimmt unser Braten darin und wir hatten natürlich nur eine Flasche davon. Was solls. Wenn ein gutes Fleisch schon einen guten Braten gibt, kann es mit gutem Wein ja nur noch besser werden. Ich habe mir also gerade unbewusst einen doppelten Boden geschaffen.

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Über Messerschaf

Ich bin eine Österreicherin, die in Deutschland lebt und vom eigenen Bauernhaus mit großem Garten träumt. Ich liebe das Leben, zu schreiben, fotografieren und einfach in der Natur zu sein. Neben dem Krafttraining bin ich eine leidenschaftliche Bäckerin, dafür beim Kochen leider etwas unbegabt! Das wiederrum kann mein Goldschatz, den ich vor 5 Jahren kennengelernt habe und seit 2 Jahren mein Ein nennen darf, perfekt drauf. Bin ein klein bisschen verrückt und habe mir einen Teil meiner kindlichen Unbeschwertheit bewahrt. Ich lache nicht nur allgemein sehr gerne, sondern auch mal über mich selbst, denn ein bisschen tollpatschig bin ich schon!
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6 Antworten zu Herausforderung á la cuisine

  1. Waldameise schreibt:

    Schaufelbug hab ich auch noch nie gehört, liebe Moni. Aber die Fachfrau hätte es wissen müssen, gell? Egal, hauptsache, du hast ein schönes Stück erstanden.
    Ich gebe an den Sud noch Lorbeerblatt, Senfkörner, Wacholderbeeren und etwas Wurzelgemüse.

    Dann lasst es euch schmecken. Das wird sicher lecker.

    Ein lieber Gruß von der Waldameise

    • messerschaf schreibt:

      Liebe Waldameise, als das Fleisch in den Sud kam, habe ich dann auch die Gewürze zugegeben…sogar eine Vanille schote, ich kam mir vor wie eine Meisterköchin 🙂
      und lecker war es 🙂

  2. Flohnmobil schreibt:

    Sauerbraten heisst bei uns „Suure Mocke“ und damit kann ich bei meinem Mann immer wieder punkten. Allerdings wäre mir dafür Tafelspitz zu schade, denn durch das Einlegen im Wein wird das Fleisch ohnehin mürbe.
    Ich wünsche euch am Wochenende gutes Gelingen mit dem Kochexperiment und „en Guete“
    Bea

    • messerschaf schreibt:

      Liebe Bea,
      ja da hab ich mir das Beste vom Besten andrehen lassen. So ist es, wenn man keine Ahnung hat… aber man wächst ja mit den Aufgaben 🙂 Vielen Dank übrigens für Deine Informationen 🙂

  3. Spottdrossel schreibt:

    Ich stimme Frau Flohmobil zu, das Einlegen war früher dafür gedacht, nicht ganz so tolles Fleisch gängig zu machen. So einen „Erbleichvorfall“ an der Fleischtheke hatte ich auch mal, ich bestellte Rinderkochfleisch und die hilflos guckende Nuß packte mir dann allerfeinsten Rinderbraten ein. Preislich ein dezenter Unterschied! (Und ich hatte anderthalb Kilo oder so ähnlich bestellt)
    Ich hatte dann unseren Essensplan entsprechend upgegraded, Braten statt Suppe… 🙂 .
    Da ich in Deinem Fall vermutete, daß der Bug der vordere Teil vom Rind ist und folglich in einer Metzgerei eigentlich vorhanden sein sollte, habe ich mal Google bemüht und bin beim Lebensmittellexikon gelandet: http://www.lebensmittellexikon.de/sch00240.php
    Dabei gelernt: Bug ist vorne und billig, Tafelspitz ist hinten und teuer 🙂 .
    Wünsche gutes Gelingen.

    • messerschaf schreibt:

      Liebe Spottdrossel.
      Ich lerne hier immer wieder dazu und das finde ich fantastisch. Warum man das Fleisch einlegt wusste ich nämlich bis dato noch nicht (Asche auf mein Haupt).
      Ich hab auch draus gelernt, dass ich meinen Schatz künftig rechtzeitig frage was er sich zu Essen wünscht, damit ich Zeit hab meine Kochbuchlexikothek daheim zu konsultieren 🙂 (Dann hab ich nämlich ein paar Fleischoptionen zur Auswahl im Kopf).
      Aber schön, dass esn icht nur mir an der Fleischtheke schon so ging :-/ Ich meine Recht hatte er ja: gut war es 🙂

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