Geschichten aus dem Alltag in einem Großunternehmen

Unser Chef-Chef-Chef hat vor Montane eine Initiative ins Leben gerufen, um alle Labors an allen Standorten zu vereinheitlichen und repräsentabel herzurichten. Alle sind schon fleißig dabei, nur unser Standort hinkt hinterher.

Jetzt haben wir nach einigen Besprechungen ein richtig geniales Konzept entworfen und auch mit der Standort-Designerin durchgesprochen. Vor den Labors sollen nun auch, wie bei anderen Standorten bereits geschehen, Bildschirme angebracht werden, auf denen man ablesen kann welches Projekt da bearbeitet wird. Die wichtigsten Daten des Projektes, ein paar schöne Bilder und das ganze als Diashow. Hübsch halt, damit die Kunden auch sehen „Die können was!“. Da uns die programmierbaren Profi-Screens zu teuer sind wollen wir den Spaß jetzt mit digitalen Bilderahmen versuchen.

Ich bestell also einen wie gehabt über unser internes Bestellsystem. So eine Art Amazon für die Firma. (Für das man allerdings eine eigene Abkürzungssprache beherrschen muss, wenn man nicht stundenlang nach einem Objekt suchen will). Die Kosten-Verantwortliche genehmigt, alles prima.

Gestern bekomme ich eine Mail der Finanz-Abteilung mit einer Ablehnung und dem Kommentar „Wir brauchen eine genauere Begründung für diese Bestellung“

  1. Gut. Doof. Zurück auf Start.

Ich atme ein paarmal tief durch, kasper den ganzen Bestellprozess noch einmal durch und schreibe auf Englisch eine DIN-A4-lange Begründung warum und wieso wir dieses Teil für 50 € brauchen und das doch der Chef-Chef-Chef das so will und und und und …und das wir sogar noch Geld sparen weil wir keine Profi Screens nutzen.

So. Ich bin siegessicher und freu mich schon.

Heut kommt wieder eine Mail

„Ihr Einkaufswagen wurde abgelehnt weil DER Begründungsformular fehlt“

Ich zerlege gedanklich mein Büro in alle Einzelteile, schreie in meiner Vorstellung in ein Kissen und frage Gott und die Welt nach DER Begründungsformular und ob mir das jemand geben kann. Aus der Küche hole ich mir meine letzten beiden Karotten – das knackende Geräusch beruhigt mich irgendwie.

Natürlich kennt keiner das Ding. Also rufe ich meine Bekannt in der Einkaufsabteilung an. Die kennts auch nicht. Aber die Kollegin im Hintergrund brüllt, das ich das noch garnet haben kann und sie es mir schickt. Prima. Geht doch.

Jetzt dachte ich, das ist einfach so ein schickes Formular, wo ich meine Begründung noch einmal über Copy-Paste eingebe und fertig… Nein nein nein (um es mal in den Worten von Mario Bart auszudrücken). Da muss jetzt begründet werden von der Leiterin warum und für was genau das so überlebensnotwendig ist.

Habe ich schon erwähnt, dass wir Kosten sparen sollen? Ich verzichte darauf zusammenzurechnen wie viel Zeit ich nun schon damit verbracht habe, ein Produkt für 50,- € zu bestellen….

Jetzt muss die Leiterin der Abteilung ein 3-seitiges Formular ausfüllen, ich muss zum dritten Mal dieses Teil für 52,- bestellen und das Formular anhängen und dann beten…

Ohne Witz… Und den Mist wollen die künftig jetzt immer… Es ist an nicht so, dass ich fast wöchentlich was bestellen MUSS!

So ich hab jetzt auch schon alle meine Frust-Karotten gemampft und harre der Dinge, die dieser Freitag noch für mich auf Lager hat…

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Über Messerschaf

Ich bin eine Österreicherin, die in Deutschland lebt und vom eigenen Bauernhaus mit großem Garten träumt. Ich liebe das Leben, zu schreiben, fotografieren und einfach in der Natur zu sein. Neben dem Krafttraining bin ich eine leidenschaftliche Bäckerin, dafür beim Kochen leider etwas unbegabt! Das wiederrum kann mein Goldschatz, den ich vor 5 Jahren kennengelernt habe und seit 2 Jahren mein Ein nennen darf, perfekt drauf. Bin ein klein bisschen verrückt und habe mir einen Teil meiner kindlichen Unbeschwertheit bewahrt. Ich lache nicht nur allgemein sehr gerne, sondern auch mal über mich selbst, denn ein bisschen tollpatschig bin ich schon!
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6 Antworten zu Geschichten aus dem Alltag in einem Großunternehmen

  1. hoetuspoetus schreibt:

    Verkehrte Welt – oder?

    Hey und mich beruhigen auch diese Knack und Kaugeräusche von der Möhre/Apfel/Birne …
    Josch (faucht) sagt dann immer: „Kannste mal aufhören SO zu kranschen, SO kann ich nicht denken!“
    „Ich schon!“ antworte ich und mampfe weiter……
    (WAS glaubst du warum so viele Leute an ihren Fingernägeln kauen?) = BAHHHHHHH!!!

    😀

    Dir ein schönes Wochenende!
    Katja
    (eine Mail kommt auch noch)

  2. Spottdrossel schreibt:

    Ab einer gewissen Größe sind Firmen schlimmer als jede Behörde – weil die auch noch Geld für solchen Blödsinn haben.
    Ich hatte mal Baustelle samt Laborcontainer von einem Kollegen einer anderen Firma übernommen (war eine Arbeitsgemeinschaft) und habe mit leichtem Gruseln im Schreibtisch das Versandanzeigeformular für eine Waage entdeckt.
    Bei uns ist man einfach auf den Hof gefahren und hat geplündert, was da war.
    (das war allerdings auch der Grund, warum nach dem ersten Winter alle wichtigen/wertvollen Werkzeuge bei mir daheim Winterpause machten, im ersten Frühjahr war auf geheimnisvolle Weise mein Werkzeugeimer SEHR leicht…).
    In einem Disney-Taschenbuch fand ich mal den Satz: „Nicht ärgern, nur wundern, Onkel Donald!“.
    Das Bild müßte man sich in solchen Fällen an die Bürowand hängen.

    • messerschaf schreibt:

      Ich hab mir grad nen Ausdruck an den Schrank gehängt „Nicht ärgern, nur wundern.“ Passt perfekt zu meinem Bild „Einmal mit Profis arbeiten!“… Aber an Mitarbeitern wird dann wieder gespart weil irgendwo einer einen blöden Prozess baut :-/

  3. Gunnar schreibt:

    Überbezahlte Chefs nehmen Rat von noch schlimmer überbezahlten Consultants an, die ihnen was von „Time Management“ und „Lean Management“ erzählen. Jedes Jahr ein neuer Hype, DIESES Konzept ist besser als das letzte…..ja, haben wir auch beim letzten Mal gesagt, aber dieses Mal stimmt es sicher!
    Was den Chefs anscheinend nie auffällt: Consultants werden nach STUNDEN abgerechnet, nicht nach Erfolg. Na, wer kann mir sagen, wie das ausgeht? 😉
    Und kein Chef wird so ein einmal eingeführtes Konzept wieder entfernen. Wieso? Dann müsste er den Ar… in der Hose haben zuzugeben, dass er einen Fehler gemacht hat 😉

    • messerschaf schreibt:

      Japp. Die haben es jetzt geschafft, das bei uns kein Mensch mehr weiß, wie er was bei wem beantragen muss. Das spart sicher Geld, wenn man sich durchfragen muss und dann riesige Formulare bändigen muss. Aber wie Du es sagst: Consultants werden nicht nach Erfolg bezahlt 🙂
      Und meine Erkenntnis des Tages. Da ich „Externe“ bin, falle ich quasi unetr „kostet nix“… Mich kann man also ruhig rumrennen lassen *kopfschüttel*…

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