Abenteuer Bogenbau (3/3) – Sonntag 25.08.

Um neun Uhr waren bereits alle im Seminarraum der Burg versammelt und machten sich daran ihre Arbeit fortzusetzen. Wieder und wieder wurde der Bogen auf den Tillerbock gelegt, seine Form geprüft und wo es notwendig war nachgearbeitet. Immer deutlicher konnte man nun schon die endgültige Form bei jedem einzelnen von uns erkennen.

Zwischendurch nahm sich Gerhard die Zeit und führte uns die einzelnen Schritte vor, wie man eine Bogensehne per Hand fertigen konnte und was dabei zu beachten war.

Mit immer feineren Werkzeugen wurde Material abgenommen bis der Bogen die richtige Stärke für seinen zukünftigen Schützen und die perfekte Form hatte. Dann ging es ans Schleifen. Immer wieder und mit immer feinerem Papier wurde das Holz abgeschliffen und zwischen den einzelnen Schleifvorgängen befeuchtet, bis es eine seidenweiche Oberfläche hatte und man seine einzigartige Maserung erkennen konnte. Eines wurde nun deutlich: Jeder Bogen war ein Unikat, keiner glich einem anderen, auch wenn sich natürlich viele für das gleiche Modell entschieden hatten.

Den Stolz, den ich selbst in meiner Brust fühlte, konnte man auch allen anderen Teilnehmern in den Augen ansehen, als sie ihr fast fertiges Werk betrachteten.

Jeder Bogen – sofern er Nicos prüfenden Blicke bestanden hatte – erhielt ein Brandzeichen und durfte abschließend eingeölt werden, um das Holz zu schützen.

Bogen

Leider begann es in diesem Moment immer stärker zu regnen, so dass die Zielscheibe zum Einschießen der Bögen kurzerhand im Seminarraum selbst aufgebaut wurde. Natürlich wäre es draußen schöner gewesen, aber im Ende wollte jeder von uns endlich wissen, ob seine Meisterwerke nicht nur gut aussahen, sondern ob sie auch funktionierten.

Gerhard erläuterte uns, wie wir die korrekte Spannung der Sehne prüfen und gegebenenfalls nachstellen konnten. Er führte uns die geeignete Körperhaltung und den Ablauf beim Schießen vor, vergaß darüber hinaus aber auch nicht uns immer wieder auf verschiedene Sicherheitsvorkehrungen hinzuweisen, die wir als Schützen beachten mussten um weder uns noch andere zu gefährden. In vielen von uns war bisher die Meinung verankert, man müsse beim Bogenschießen über den Pfeil zielen. Das wir da vollkommen falsch lagen, wurde uns eindrucksvoll bewiesen und durften wir anschließend auch an uns selbst feststellen.

Jeder durfte nun einzeln vor die Gruppe treten und seine ersten Schüsse wagen. Dabei wurde er von Nico, Gerhard und Guido beobachtet und notfalls korrigiert. (Klingt jetzt so nach Schulunterricht, ist aber alles ganz locker. Da wird keiner als blöd oder unfähig hingestellt, denn schließlich hatten die wenigsten von uns schon einmal einen Bogen in Händen gehalten).

Als ich vor die Gruppe trat, schlug mit das Herz bis zum Hals (dummerweise leide ich nämlich an einer Angst, vor Gruppen zu sprechen oder etwas vorzuführen), aber ich wollte endlich schießen. Ich nahm die Grundposition ein und legte meinen handgefertigten Pfeil auf die Sehne. Mit den Augen visierte ich das Ziel an und atmete tief durch. In einer fließenden Bewegung nahm ich den Bogen hoch, spürte die Kraft, als er sich in meinen Händen spannte und ließ den Pfeil von der Sehne… Es war ein wirklich atemberaubender Moment, der meine Brust mit Stolz füllte.

Dann wurde mir klar, dass mir gerade 20 Personen auf die Finger sahen und ich wurde nervös. Die Hände und Beine zitterten…. Immer wieder spannte ich den Bogen – immer wieder musste ich absetzen, weil der Pfeil sich verdrehte… Und nun geschah etwas, das für mich in solchen Situationen neu war: Keiner drängte mich oder lästerte. Ganz im Gegenteil. Sie sprachen mir Mut zu und beruhigten mich. Eine Frau, die ebenfalls am Kurs teilnahm und bereits Erfahrungen mit dem Bogenschießen hatte, nahm mich zur Seite, während die anderen weiterübten und gab mir einige wirklich hilfreiche Ratschläge. In der nächsten Runde ging sie schließlich mit mir nach vorne… und wieder… und wieder… und wieder, bis ich mich besser fühlte und meine dämliche Angst beiseiteschieben konnte…

Für mich ist bereits jetzt klar: Ich werde weitermachen. Das Material für die ersten eigenen Pfeile ist eingetroffen und eine Zielvorrichtung im Garten meiner Eltern in Planung. Der lange Flur in unserer Wohnung ist so weit umgeräumt worden, dass man bei Schlechtwetter dort üben kann ohne Einrichtung zu beschädigen und außerdem werden wir im November schon wiederkommen um einen weiteren Bogen zu bauen. Das Feuer in mir ist entfacht…

Wer jetzt Lust bekommen hat sich anzumelden: HIER gibt es die aktuellen Termine und Anmeldebögen. Es ist jeder willkommen egal ob Frau ob Mann ob Jung ob Alt.

 

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Über Messerschaf

Ich bin eine Österreicherin, die in Deutschland lebt und vom eigenen Bauernhaus mit großem Garten träumt. Ich liebe das Leben, zu schreiben, fotografieren und einfach in der Natur zu sein. Neben dem Krafttraining bin ich eine leidenschaftliche Bäckerin, dafür beim Kochen leider etwas unbegabt! Das wiederrum kann mein Goldschatz, den ich vor 5 Jahren kennengelernt habe und seit 2 Jahren mein Ein nennen darf, perfekt drauf. Bin ein klein bisschen verrückt und habe mir einen Teil meiner kindlichen Unbeschwertheit bewahrt. Ich lache nicht nur allgemein sehr gerne, sondern auch mal über mich selbst, denn ein bisschen tollpatschig bin ich schon!
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6 Antworten zu Abenteuer Bogenbau (3/3) – Sonntag 25.08.

  1. Friederike schreibt:

    Vorsicht! Ich höre das immer wieder von Freunden: Bogenschießen kann süchtig machen. (Meine Bogenschützenfreunde schießen dabei inzwischen nicht mehr auf Scheiben, sondern im Unterholz auf Tierattrappen, und einer geht mit Pfeil und Bogen sogar richtig auf die Jagd.)

  2. Gunnar schreibt:

    Klar kann man davon süchtig werden, bei mir war es die Armbrust (schlechter Vergleich, aber geht in die Richtung) und die Doppelblatt-Axt (ich liebe diese Waffe 😉

    Aber in meinen Augen ist das eine Sucht, die in Ordnung geht, im Gegensatz zu anderen Süchten 😉
    Man wird sehr schnell vom „Mittelalter“ oder „LARP“ Virus erfasst, aber man muss dafür auch empfänglich sein, es trifft nicht jeden. Jedem, den es gefällt, sage ich nur: Viel Spaß, hast dir ein schönes Hobby ausgesucht.

    • messerschaf schreibt:

      Ich finde vor allem das „Selbermachen“ daran so spannend. Ich hab an dem Wochenende so viel gelernt. Es ist schön mal wieder handwerklich zu arbeiten, aus dem etwas entspringt, dass sinnvoll ist und Spaß macht. Allein trau ich mich zwar noch nicht ran, aber im November machen wir ja den nächsten Kurs und bis dahin kann ich hoffentlich ein bisschen Schießen üben… Ich mag in der „Mittelalter“- und „Larp“-Welt vor allem die Menschen. Da trifft man selten auf irgendwelche überkandidelten Volltrottel, sondern auf echt liebenswerte Personen, mit denen es wirklich Spaß macht den Tag zu verbringen.

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