Abenteuer Bogenbau (2/3) – Samstag 24.08.

Um 6 Uhr klingelte am Samstagmorgen bereits der Wecker. Schnell ein paar Brötchen gerichtet, Arbeitshandschuhe und Getränke eingepackt und alles ins Auto geladen. Um neun Uhr sollte es auf der Ronneburg losgehen und wir wollten auf keinen Fall zu spät kommen.

Im Auto programmierte ich zur Sicherheit noch schnell das Navi und nur wenige Minuten später rollten wir bereits über die Autobahn… Nach eineinhalb Stunden standen wir mitten in der Stadt Ronneburg und die Dame im Navi behauptete „Sie haben ihr Ziel erreicht!“ Mein Freund und ich waren uns allerdings schnell einig, dass das hier NICHT die Ronneburg sein konnte. Also drehten wir der Dame im Navi den Saft ab und folgten einfach den Schildern, die am Straßenrand die Richtung wiesen (sehr gut beschildert übrigens). Kurz darauf sahen wir sie auch schon stolz vor uns aufragen.

Hier ein kleiner Tipp am Rande für alle, die mit Navigations-Elektronik dorthin fahren (wir waren nämlich nicht die einzigen, die mitten in der Stadt angeblich ihr Ziel erreicht hatten):

BuRo Adresse

Wir lenkten das Auto auf einen der großen Schotterparkplätze und genossen in aller Ruhe erst einmal die herrlich frische Luft und den Anblick der Burg, die im goldenen Schein der Morgensonne lag.

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Gemächlichen Schrittes marschierten wir durch das beeindruckende Burgtor, das seit Erbauung der Burg vor 1231 sicher schon viel gesehen hatte.

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Im Burghof trafen wir bereits die ersten Wartenden, die ebenfalls angereist waren, um die Kunst des Bogenbaus zu erlernen. Innerhalb kürzester Zeit waren wir in ein Gespräch vertieft, während immer weitere Teilnehmer eintrafen und sich zu uns gesellten. (Jedes Seminar ist übrigens limitiert auf 10-12 Teilnehmer).

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Schließlich fuhr auch das Auto von Nico vor, der den Kurs leiten würde. Auch Gerhard und Guido – die Nico unterstützen und uns helfen würden – trafen vollbeladen ein. Jeder Teilnehmer bekam Werkzeug oder Anschauungsmaterial in die Hand gedrückt und dann folgten wir den Herren durch das zweite Tor bergan bis in einen großen Raum.

SCHILD

Gemeinsam packten wir mit an und im Nu waren auch die Bierbänke aus dem Keller organisiert und aufgebaut. Währenddessen hatten Nico, Guido und Gerhard einiges hergerichtet und wir beugten uns staunend über die Vielzahl an Bögen und Speerspitzen und stellten Vermutungen über deren Verwendung und Herkunft an.

Kurz nach neun waren alle versammelt und hatten sich ein Plätzchen auf einer der Bänke gesucht. Gespannt und ungeduldig waren alle Blicke nach vorne gerichtet, wo die drei Bogenbauer zusammen standen.

Schließlich trat Gerhard vor die Gruppe, hieß uns alle Willkommen und stellte die anderen Anwesenden vor. Wer mehr über Nico und sein Team erfahren möchte: HIER gibt es Informationen

Anschließend nahm er uns mit auf eine gedankliche Reise, auf der er uns mit viel Humor die Geschichte des Bogens näherbrachte und uns ein Gefühl dafür vermittelte, wie alt diese Jagd- und Kriegswaffe eigentlich schon war. Er wies uns allerdings auch darauf hin, dass der Bogen zwar ein Sportgerät war, aber eines, mit dem in den vergangenen Jahrtausenden wohl mehr Menschen ums Leben gekommen waren, als mit den modernen Kriegswaffen heute und das wir uns immer bewusst sein sollten, dass jeder Schütze für seinen Pfeil die Verantwortung trug.

Nach diesem unterhaltsame Ausflug in die Geschichte, gab Nico uns zudem noch ein Versprechen: Jeder, der hier war und für dieses Wochenende bezahlt hatte, würde auch einen Bogen mit nach Hause nehmen… Der Hintergrund dieser Aussage ist folgender: Holz ist ein Naturprodukt und man kann von außen nicht immer erkennen, wie es in seinem Inneren aussieht. Es gab auch schon Teilnehmer in früheren Seminaren, denen der Bogen gebrochen war. Die Gründe für ein solches Materialversagen sind manigfaltig und auch für Profis nicht vorherzusehen. Aber wir sollten uns sicher sein, dass jeder die Möglichkeit bekommen würde, seinen Bogen zu fertigen: Entweder am selben Wochenende, denn Nico hatte stets Ersatz-Rohlinge dabei – oder bei einem folgenden Seminar-Wochenende – natürlich ohne zusätzliche Kosten.

Doch nun war auch schon genug der einführenden Worte. Es wurde praktisch. Wir würden zuerst mit dem Bau eines Pfeiles beginnen, da man dafür etwas Fingerspitzengefühlt benötigte und dieses zu Beginn des Seminars noch am besten sei. (Am Sonntagnachmittag wussten wir dann auch alle, dass dies eine wirklich gute und durchdachte Entscheidung war). Ein Pfeil muss allerdings immer auf den Bogen abgestimmt sein. Wenn die Zugkraft des Bogens nämlich nicht zum Spine-Wert (Steifigkeit) des Pfeiles passt, kann es sein, dass der Pfeil zersplittert, noch bevor er den Bogen verlässt.

Also mussten wir erst einmal festlegen, wie viel Zugkraft unser späterer Bogen haben sollte. Dazu durfte jeder einzeln nach vorne kommen und einen der fertigen, unterschiedlich starken Bögen spannen, um zu erfühlen welcher einem am besten lag. (Man sollte schließlich nicht bereits nach zwei Schüssen total erschöpft sein, sondern Spaß am Schießen haben). Nico und die anderen beobachteten uns dabei und nannten uns einen Wert, auf den wir unseren Bogen schließlich fertigen würden.

Entsprechend des ermittelten Wertes holten wir uns bei Guido die Schäfte für die Pfeile ab. Nach und nach wurden uns die einzelnen Schritte vorgeführt. Nach jeder Einweisung machten wir uns daran, die gesehenen Handgriffe an unserem eigenen Pfeil umzusetzen. Bei Problemen und Fragen war sofort jemand zur Stelle, der uns unterstützte, so dass wir nach dem Mittagessen jeder stolz den ersten eigenen Pfeil in Händen halten konnten.

Pfeil

Während es die Möglichkeit gab, zu einem fairen Preis im Restaurant zu Mittag zu essen, nutzten mein Freund ich die Pause, um die Burg ein wenig zu erkunden und die Aussicht vom höchsten Turm zu genießen (Trotz Höhenangst). Verpflegung hatten wir schließlich eingepackt.

Burg

Frisch gestärkt fanden wir uns um kurz nach 13 Uhr wieder im Seminarraum ein. Gerhard breitete die  Rohlinge der verschiedenen Bögen vor uns aus. Nico hatte bereits vor dem Seminar für jeden das entsprechende Modell, abgestimmt auf die Körpergröße der jeweiligen Person, vorbereitet. Sprich: Jeder Bogen-Rohling hatte schon die groben Umrisse des Bogens, dessen Form er später haben sollte.

Nico betrachtete jeden von uns eingehend. Dann wog er einen Rohling nach dem anderen in seinen Händen, betrachtete das Holz ausgiebig und bog es prüfend, um ein Gefühl für die in ihm liegende Stärke zu bekommen. Schließlich überreichte er jedem den geeigneten Rohling, der nach der Bearbeitung die für ihn ermittelte Zugkraft haben würde.

Es mag blöd klingen, aber für mich war das ein ganz besonderer Moment, als er mir das Holz überreichte, in dem mein Bogen schlummerte. Und ich konnte mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorstellen, wie ich in der Zeit bis Sonntagnachmittag daraus einen Bogen formen sollte, wie er vorne in einer Wandhalterung zu sehen war.

Als jeder sein Bogenholz in Händen hielt, versammelten wir uns und lauschten gespannt wie nun jedes einzelne Modell zu bearbeiten war. Je nach Form waren andere Handgriffe auszuführen bzw. andere Querschnitte zu raspeln. In den folgenden Stunden war der Raum erfüllt vom Duft des Holzes, den Gesprächen der Teilnehmer, leiser Musik und vor allem dem Geräusch von einem Dutzend Feilen, die Hieb für Hieb das Holz seiner endgültigen Form näher brachten. Immer wieder gesellten sich Nico, Guido, Gerhard und der später eingetroffene Mile zu uns, gaben uns Ratschläge, betrachteten unsere Werke und beantworteten uns geduldig jede einzelne Frage. Bei Schwierigkeiten, legten sie selbst mit Hand an, standen uns zur Seite, wenn der Bogen getillert (dabei werden die Wurfarme des Bogens aufeinander abgestimmt) wurde und zeichneten die Stellen an, die noch intensiver bearbeitet werden mussten.

Auch lehrten sie uns die Handgriffe, um die Bögen korrekt zu Spannen und wieder zu Entspannen. Denn dies sollte jeder Schütze selbst können.

Der ganze Raum war erfüllt mit der Energie der Bogenbau-Lehrlinge, die alle konzentriert an ihren Werken arbeiteten… es war eine Atmosphäre, die man nur schwerlich in Worte fassen kann – man muss es erlebt und am eigenen Leibe gespürt haben.

Viel zu früh neigte sich der erste Tag um 18 Uhr seinem Ende entgegen. Schweren Herzens wurden die Rohlinge zur Seite gestellt, der Staub von den Hosen geklopft und sich bis zum nächsten Morgen verabschiedet.

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Über Messerschaf

Ich bin eine Österreicherin, die in Deutschland lebt und vom eigenen Bauernhaus mit großem Garten träumt. Ich liebe das Leben, zu schreiben, fotografieren und einfach in der Natur zu sein. Neben dem Krafttraining bin ich eine leidenschaftliche Bäckerin, dafür beim Kochen leider etwas unbegabt! Das wiederrum kann mein Goldschatz, den ich vor 5 Jahren kennengelernt habe und seit 2 Jahren mein Ein nennen darf, perfekt drauf. Bin ein klein bisschen verrückt und habe mir einen Teil meiner kindlichen Unbeschwertheit bewahrt. Ich lache nicht nur allgemein sehr gerne, sondern auch mal über mich selbst, denn ein bisschen tollpatschig bin ich schon!
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3 Antworten zu Abenteuer Bogenbau (2/3) – Samstag 24.08.

  1. Waldameise schreibt:

    Liebe Moni, ich wusste gar nicht, dass du auch einen neuen oder einen zweiten Blog hast. Das ist ja toll. So toll dein Bericht und die schönen Fotos dazu. Das muss ein wunderbarer Tag gewesen sein. Eine schöne, interessante und anspruchsvolle Arbeit und ein geniales, romantisches Ambiente dazu. Herz, was willst du mehr?

    Ein ganz lieber Gruß zu dir
    von der Waldameise

    • messerschaf schreibt:

      Liebe Waldameise,

      ja ich häng das nicht an die große Glocke 🙂
      Aber je mehr Fortschritte ich in der Blogwelt mache, umso neugieriger werde ich auch und umso professioneller möchte ich meinen Blog gestalten und natürlich immer mehr selber machen können… Und ich war neugierig auf WordPress, da ich schon so viel davon gehört hatte…

      Ja, Bogenbauen ist einfach himmlisch (wenn man gerne Handwerklich arbeitet). Und was soll ich sagen… mein Schatz und ich haben uns für November zum nächsten Seminar angemeldet. Ich hoffe ich kann Euch da schon mit Schneebildern beglücken.

  2. Johnk20 schreibt:

    what are some really good and popular websites for blogging? ?? . gdeecdekecee

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